Ab heute dann vegan…

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag, an dem ich beschloss ab jetzt vegan zu leben. Das war vor ziemlich genau zweieinhalb Jahren. 

 

Die Jahre davor habe ich mich immer als große Tierfreundin bezeichnet. Ich hatte ein Herz für alle Tiere und wenn es irgendwo eine Petition zum Unterzeichnen gab, die die Ungerechtigkeiten in den Delphinarien und auf den Tiertransporten dieser Welt beenden wollten, dann war ich eine der Ersten, die unterzeichnete (falls ich überhaupt Wind davon bekam). Ich brach in Verzückung aus, wenn ich Bilder von Kühen und Schweinen sah, Küken fand ich so flauschig und niedlich und ich habe mir immer gewünscht, mal so ein kleines Wesen zu streicheln. Kurzum: ich fand alle Tiere wunderbar und wollte auch nie, dass irgendwelche Tiere für mich leiden müssen. 

 

Trotzdem aß ich fast täglich Fleisch, aß Milchprodukte, besonders Käse hatte es mir angetan und gegen ein Frühstücksei hatte ich auch nichts einzuwenden. Ich besaß das große Talent, mir die Dinge schön zu reden und nur da hinzusehen, wo mein Gewissen keinen unangenehmen Stich bekam. Ich war rundum zufrieden mit mir und meiner Einstellung zu anderen Lebewesen, so dass ich über 30 Jahre lang keinen Grund sah, irgendetwas zu ändern. 

 

Dann, vor zweieinhalb Jahren eben, kam der Punkt an dem ich das Gefühl hatte, dass ich neben meinem Beruf eine Tätigkeit brauche, die mich ausfüllt, die etwas Gutes bewirkt und bei der ich anderen helfen kann. Ich informierte mich im Internet über Ehrenämter und merkte schnell, dass mein Herz für den Tierschutz schlug - lag ja nahe, nachdem ich schon immer merkte, wie sehr Tiere mir am Herzen lagen (und auch auf meinem Teller). Deswegen meldete ich mich auf einem Lebenshof und fragte, ob sie dort etwas Unterstützung brauchen könnten. Und so kam es, dass ich bald darauf Führungen für die Besucher übernahm. 

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits entschieden, kein Fleisch mehr zu essen. Die Zusammenhänge zwischen Tierschutz und Ernährung wurden mir immer klarer, aber so ganz durchschaut hatte ich das System noch nicht und blieb immer noch schön in meiner Komfortszene stecken. Der Verzicht auf Fleisch fiel mir nicht besonders schwer, ich hatte früher schön öfter mal Phasen, in denen ich eine Weile keines gegessen hatte und deswegen war es nichts Neues für mich. 

 


Doch je mehr ich mich mit dem Thema Tierschutz beschäftigte, je mehr ich darüber las und je länger ich auf dem Lebenshof half, umso mehr wurde mir bewusst, dass Tierschutz nicht nur bedeutet, kein Fleisch mehr zu essen, sondern dass jeglicher Konsum von tierischen Produkten mit unsagbar viel Leid verbunden ist. Eines Tages wurden drei s. g. „Turbokühe“ auf diesem Hof aufgenommen, die bis dahin ihr kurzes Leben in der Milchindustrie verbracht hatten. Sie waren bereits in jungen Jahren durch die übermäßige Milchproduktion (die von der Industrie und den Konsument_innen erwartet wird, weswegen die Tiere dementsprechend gezüchtet werden) körperlich ausgelaugt und sollten geschlachtet werden, weil sie nicht mehr in der Lage waren die geforderte Leistung zu erbringen. Sie wurden nicht als Lebewesen sondern als Produktionseinheiten wahrgenommen. Und die Tatsache, dass Tiere quasi weggeworfen werden, wenn sie nicht mehr können, war der Augenöffner, den ich brauchte, um meinen Konsum von tierischen Produkten komplett einzustellen - ich tat es von heute auf morgen. All das, was ich die ganze Zeit schon wusste oder zumindest geahnt hatte, strömte beim Anblick dieser Kühe plötzlich auf mich ein. Ich konnte mir selbst nicht mehr länger etwas vorlügen und es gab von diesem Moment an keinen Weg zurück. 

 

Ich hatte ein bisschen Angst meiner Familie davon zu erzählen, dass ich nun beschlossen hatte, vegan zu sein. Was würden sie wohl sagen? Das, was ich selbst viele Jahre gesagt hatte? Dass Vegan sein ganz schön radikal und extrem sei? Dass man alles übertreiben könne und es doch reiche, auf Fleisch zu verzichten? Und dass alle, die vegan leben, Ökospinner seien? Ja, so habe ich lange Zeit gedacht und jetzt fürchtete ich mich davor, dass mir genau diese Vorurteile selbst um die Ohren fliegen. 

Zu meiner großen Überraschung und Freude wurde meine Entscheidung mit Gelassenheit und Zustimmung aufgenommen. In meiner Familie lebt niemand vegan, nicht mal vegetarisch, und ich habe auch zu keinem Zeitpunkt versucht, sie dazu zu bringen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es ein Weg ist, den jede_r selbst gehen muss. Eine Entscheidung, die man nicht erzwingen kann. Der Eine trifft sie früher, der andere später und manch einer trifft sie nie. Aber wenn Menschen mich fragen, warum ich vegan lebe und was ich dann überhaupt noch essen könne, dann gebe ich gerne und bereitwillig Auskunft, informiere sie über die Hintergründe der tierverarbeitenden Industrie und möchte so jedem/r meiner Gesprächspartner_innen die Chance geben, sich selbst in die Thematik einzufinden und zu erkennen, was falsch läuft in unserem Umgang mit den s. g. „Nutztieren“.

Die Zeit geht rasend schnell vorbei und mittlerweile bin ich sehr aktiv in Sachen Tierrechte. Ich engagiere mich in den unterschiedlichsten Organisationen und tue mein Bestes, Menschen zu informieren und ein positives Beispiel abzugeben. 

Es ist niemals leicht etwas zu verändern. Wir alle sind Gewohnheitstiere und fühlen uns meist auf ausgetretenen Pfaden wohler, weil sie sicher und bekannt sind. Und wenn man sich entscheidet, so etwas Grundlegendes wie die eigene Ernährung zu verändern, dann gehört oftmals ein großes Stück Überwindung dazu. Ich für mich kann sagen, dass ich mich heute wohler fühle als je zuvor. Die Umstellung fiel mir nicht schwer, weil ich von Anfang an wusste, wofür und warum ich es tue: für all die Tiere, die täglich für unseren Konsum leiden müssen. Ich wollte und will nicht mehr länger Teil dieser Ausbeutung und Qual sein, die Milliarden von Tieren weltweit erleiden müssen. 

Ein 100% veganes Leben ist nicht möglich - das ist mir klar. Aber darum geht es auch nicht. Wenn ich spazieren gehe und versehentlich bei einem Schritt auf eine Ameise trete, dann ist das schlimm, und wenn ich könnte, würde ich es verhindern - aber leider geht das nicht, weil ich nicht jeden meiner Schritte observieren kann. Aber mit jedem Einkauf, mit jeder Mahlzeit entscheide ich mich bewusst für oder gegen Tierleid. Da habe ich es in der Hand und kann etwas beeinflussen. Und diese Möglichkeiten nutze ich jeden Tag aufs Neue. 


Ab heute vegan war gar nicht so schwer. Nächste Woche besuche ich wieder den Lebenshof, auf dem ich damals geholfen habe, und auch die drei Kühe, die damals alles verändert haben. Ich werde sie streicheln, ihnen zuschauen und mich bei ihnen bedanken, dass sie mir die Augen und das Herz vollständig geöffnet haben. 

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