Haltung bewahren

Seit ich vegan lebe und mich für Tierrechte einsetze, hat sich in meinem Leben viel verändert. 
Vorher, das muss ich zugeben, war vieles leichter, weil ich unbeschwerter war. 
Ich konnte einen Stadtbummel machen, ohne dass mir die Aneinanderreihung von Fastfood-Restaurants und Metzgereien oder die vielen Pelzkrägen im Winter aufgefallen wären. 
Heute sehe ich bei einem harmlosen Spaziergang ganz oft solche Dinge und sie versetzen mir immer einen Stich, weil mir jetzt bewusst ist, welches Leid hinter den ganz alltäglichen Dingen unseres Lebens steckt. 
Mein Blick hat sich verändert und infolgedessen mein Umgang mit vielem. Tierische Produkte wegzulassen, bedeutet für mich keinen Verzicht, sondern ist mir eine Herzensangelegenheit. Und ich weiß sehr gut, dass ich jetzt, wo sich der Vorhang der Verdrängung gehoben hat, kein Weg zurück mehr möglich ist. Das Leben hat für mich dadurch an vielen Stellen die Leichtigkeit verloren, aber das ist auch gut so. Was nützt einem die gedankenlose Unbeschwertheit, wenn sie zum Leid von Millionen Lebewesen beiträgt? 

Das Leben kommt nicht ohne Konflikte aus. Sie gehören dazu und sind wichtig. Und wenn sich jemand für ein veganes Leben entscheidet, dann muss er/sie damit rechnen, dass die Konflikte evtl. zunehmen. Das ist nicht immer schön. Aber es geht hier auch darum, Haltung zu zeigen. Für seine Überzeugungen einzustehen und zu erklären, warum dieser Weg für einen persönlich der Richtige ist. 
Menschen, die nicht vegan leben, empfinden es manchmal als einen persönlichen Angriff, wenn zur Sprache kommt, dass man auf tierische Inhaltsstoffe verzichtet. 
Ja, das gleich vorweg: es gibt sicherlich auch unter den Veganer_innen Menschen, die die Fähigkeit besitzen, arrogant, überheblich und besserwisserisch rüberzukommen, so dass sich das innere Kind gleich von vornherein gegen jegliche Information zum Thema Tierleid positioniert und sich singend die Ohren zuhält. Eine Aufklärung ist dann meist nicht mehr möglich, weil die Fronten schon zu Beginn verhärtet sind. 
Unsympath_innen gibt es eben überall - unter Fleischesser_innen, wie unter Veganer_innen. 

Aber mir ist es selbst schon passiert, dass aus einem schönen, entspannten Gespräch plötzlich eine hitzige Diskussion wurde, als ich erzählte, dass ich nichts Tierisches in meinem Essen (und der Kleidung oder Kosmetik) haben möchte. Manchmal wird man regelrecht zum Feindbild. Manche Menschen empfinden es als Attacke, wenn sie auf jemanden treffen, der etwas anders macht, als das was in unserer Gesellschaft als "normal" und selbstverständlich verankert ist. 
Fleischessen hat eine lange Tradition und wir sind alle damit aufgewachsen. Die Richtigkeit an etwas anzuzweifeln, was man eben "schon immer so gemacht hat" ist für einige Menschen schwer nachvollziehbar und löst automatisch eine Gegenreaktion aus. 

Ich habe das Glück, dass ich einen Freundeskreis habe, der mich gut versteht und mittlerweile sind natürlich viele neue Menschen dazugekommen, die selbst vegan leben und sich für die Rechte der Tiere stark machen. Aber es sind auch Freundschaften auf der Strecke geblieben. Als ich anfing, bei Facebook öfter über Tierleid zu berichten, Rechercheberichte von Tierrechtsorganisationen zu posten und über meine vegane Ernährung zu erzählen, gab es den ein oder anderen, der meinte, ich wäre gar nicht mehr wiederzuerkennen und solle mal wieder runterkommen. Viele empfanden es als nervig.
Es ist natürlich schade, dass sich Menschen von einem abwenden, die man lange kennt. Aber andererseits ist es auch wichtig, sich selbst treu zu bleiben und wenn jemand damit nicht zurecht kommt, dann ist es vielleicht an der Zeit, getrennte Wege zu gehen.
Ich freue mich immer, wenn ich ins Gespräch komme, ganz egal ob es Bekannte, Freunde oder Fremde sind und sich ergiebige Diskussionen entspinnen. Aber leider ist das manchmal nicht möglich, weil von beiden Seiten oder auch einseitig nicht der Wille da ist, die Argumente und Sichtweisen der Gegenseite zu hören. Haltung zeigen bedeutet auch, den anderen zu respektieren und zu achten, aber sich gleichzeitig nicht für die eigenen Gefühle, Überzeugungen und Werte zu schämen.

Ich bin selbst ein sehr harmoniebedürftiger Mensch und oftmals fällt es mir schwer unsachliche Bemerkungen oder Beleidigungen an mir abprallen zu lassen. Auseinandersetzungen sind mir zuwider, aber es ist mir wichtig für die Tiere einzustehen und meine Stimme gegen Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten, die ihnen Tag für Tag durch Menschenhand widerfahren, zu erheben. Das bedeutet, dass ich nicht mehr "Everybody´s Darling" bin. 
Damit kann ich leben. 
Haltung zeigen ist in der heutigen Zeit nicht immer einfach. In Zeiten der sozialen Netzwerke wird der Ton in Diskussionen sehr schnell ruppig und unsachlich, deswegen beteilige ich mich an Auseinandersetzungen im Netz nur noch selten. Gespräche von Angesicht zu Angesicht bringen mir persönlich mehr und es fällt mir leichter meine Argumente anzubringen, wenn ich meinem Gesprächspartner ins Gesicht schauen kann. 
Das Wichtigste ist aber, ganz gleich ob wir in den sozialen Medien oder im "echten Leben" streiten und diskutieren - den Respekt nicht zu vergessen. 

Respekt vor allen Lebewesen - darum geht es.

Und dafür kämpfen wir - Tag für Tag. 

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