Hinter der Maske

Wenn man sich aktiv an Aktionen zum Thema Tierrecht beteiligt, kann mensch sehr viel beobachten. 
Die Reaktionen der Menschen, die an Infoständen, Mahnwachen, Fleischschalen oder Monitoren mit Aufnahmen aus der Massentierhaltung vorbeikommen sind sehr unterschiedlich und teilweise auch sehr verstörend, belustigend, beängstigend und spannend. 
Ich beobachte die Gesichter der Menschen sehr gerne, wenn sie an unseren Aktionen vorbeikommen. Manche schauen betroffen, andere haben eine recht versteinerte Mimik und es gibt auch Leute, die Witze machen oder lachen. Auch beleidigende Wortmeldungen gegenüber den Aktivist_innen sind leider keine Seltenheit. 
Die betroffenen Blicke und das Wegschauen kann ich sehr gut verstehen. Die Bilder, die zu sehen sind, können einen eigentlich auch zu keiner anderen Reaktion verleiten, als das Gesicht schmerzverzerrt und ekelerfüllt zu verziehen - was den Tieren u. a. in der Lebensmittelindustrie angetan wird, ist einfach nur grauenhaft, entsetzlich und unerträglich. 
Das lässt die Wenigsten unberührt, wenn sie sich tatsächlich mal ehrlich und offen mit solchen Aufnahmen und den Hintergründen beschäftigen. 

Anfangs habe ich sehr viel Wut bekommen, wenn ich sah, dass Passanten blöde Witze rissen oder anfingen über das Gesehene oder unsere Aktionen im allgemeinen zu lachen. Ich fragte mich, und tue das auch heute noch oft, wie mensch für unschuldige Lebewesen nur soviel Verachtung, Ignoranz, Kaltschnäuzigkeit und Boshaftigkeit übrig haben kann, dass die einzige denkbare Reaktion für diese Leute die Abwertung durch oben genannte Verhaltensweisen ist? Was läuft falsch bei jemandem, der es lustig findet, wenn er Bilder sieht, die Tiere in größter Not zeigen und alles nur, damit wir tierische Produkte konsumieren können? Wie muss mensch gestrickt sein, dass er nichts anderes als läppische Witze und Beleidigungen auf Lager hat? Wie kann jemand ernsthaft glauben und sagen, dass diese Tiere für nichts anderes auf der Welt sind, als von uns gegessen, missbraucht und ausgebeutet zu werden? Wo ist da der Respekt, die Achtung und der Anstand geblieben? 

Mittlerweile machen mich solche Reaktionen nicht mehr so sauer, wie anfangs. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass es mich kalt ließe, wenn wieder jemand einen blöden Spruch reißt und sich gar über die Tiere lustig macht. Aber dann fiel mir ein, wie ich auf Situationen reagiere, die mich überfordern. Es kommt dann oft zu Übersprungshandlungen. Die Psyche ist mit dem Gesehenen überfordert und weiß nicht, wie sie damit umgehen soll und da kann es schon passieren, dass die Reaktionen darauf den Mitmenschen als unpassend und nicht angebracht erscheinen. 
Ich erinnere mich an eine Beerdigung auf der ich mal war. Dort hatte einer der Trauergäste unvermittelt einen Lachanfall. Ich kann mich gut erinnern, wie entsetzt und geschockt ich über diese Reaktion war - bis es mir tatsächlich selbst einmal passierte. Ich war so überfordert mit der ganzen Situation, konnte die Tatsache nicht fassen, dass diese Person jetzt tatsächlich gestorben war, dass ich auf einmal ganz hektisch und unruhig wurde und lachen musste - ich konnte dagegen nichts tun. 
Ich war mir der Tragik der Situation vollends bewusst, ich fühlte totale Verzweiflung und doch konnte ich gegen den Lachkrampf nichts tun. Ich schämte mich unendlich und fühlte mich wie der schrecklichste Mensch auf Erden, dass ich so eine ungebührliche Reaktion an den Tag legte. Nach dem Lachanfall fing ich bitterlich an zu weinen und lachte danach auch nie wieder über die Situation - aber anscheinend war es in diesem einen Moment die einzige Reaktion, die mein Geist und meine Psyche vorbringen konnten, um nicht vollends durchzudrehen.
Geht es den Menschen, die uns belächeln, die über die grauenhaften Tötungen auf den Monitoren grinsen oder lachen genauso? Sind sie mit den Bildern auch überlastet und wissen ganz genau, dass sie mit ihrem Konsum dazu beitragen, dass dieser schreckliche Kreislauf immer weitergeht? Ich kann natürlich nur spekulieren, weil ich weder Psychologin bin noch Gedanken lesen kann, aber ich denke tatsächlich, dass das bei vielen Menschen der Fall ist. Viele möchten sich auch nicht die Blöße geben und Schwäche zeigen, gerade auch nicht in der Fußgängerzone, wo viele Menschen sind, sie vielleicht beobachtet werden (von mir zum Beispiel) und öffentlich ihre Betroffenheit zugeben. 
Es würde ja auch in der Konsequenz bedeuten, dass mensch sich schuldig fühlen könnte und auch müsste. Denn unser Konsum, unsere Nachfrage bestimmt mit. Durch unseren Einkauf geben wir all die Gräueltaten, die wir so gerne verdrängen und nicht sehen möchten, in Auftrag. Wir machen uns zwar selbst die Hände nicht blutig, bezahlen mit unserem Einkauf aber andere Menschen dafür, das für uns zu tun - nicht leicht zu verkraften, wenn mensch sich das volle Ausmaß seiner Kaufentscheidungen bewusst macht. 
Da fällt es vielen vermutlich leichter einfach süffisant zu grinsen und lieber schnell weiterzugehen.

Sicherlich gibt es auch Menschen, denen das Schicksal der "Nutztiere" vollkommen egal ist. Das System, in dem wir aufwachsen und leben spricht ihnen ja auch keine andere Existenzberechtigung zu, als für uns kurz qualvoll zu leben und dann genauso qualvoll zu sterben. Und wer gedanklich so in diesem System gefangen ist, hat andere Wertvorstellungen und findet es vielleicht nicht schön, was den Tieren da angetan wird, aber "es muss halt einfach so sein", sonst könnten wir sie ja nicht essen. 
Auch hier versuche ich mit Gesprächen immer wieder die Menschen davon zu überzeugen ,dass kein Tier auf der Welt ist um einen Zweck zu erfüllen, außer den, ein Leben frei von Schmerz, Qual, Unterdrückung und Schlachtung zu führen- sie leben, um zu leben. Manchmal gelingt das, aber oft sind diese Wertvorstellungen so fest verankert, dass das Gefühl aufkommt, man würde gegen eine Mauer rennen. 
Was also ist die Konsequenz für uns, die wir uns im Tierrecht engagieren? Uns das Auslachen, das Beleidigen und Belächeln zu Herzen zu nehmen oder immer verständnisvoll zu sein und Erklärungsversuche zu finden, wie es zu solchen Reaktionen kommen kann? 
In erster Linie geht es darum, diese Reaktionen zu akzeptieren. Nicht immer einfach, wie ich oben schon beschrieben habe. 
Es geht nicht darum, zu werten oder zu verurteilen. 
Es geht darum, den Samen zu streuen.
Meine feste Überzeugung ist die, dass selbst bei jemandem, der lacht, beleidigt und belächelt irgendwas von dem Gesehenen hängen bleibt. Wer sich bemüßigt fühlt, in welcher Form auch immer auf eine Tierrechtsaktion zu reagieren, scheint in irgendeiner Art davon berührt zu werden. Und immer dann, wenn im Inneren etwas angerührt wird, führt das zu einer Reaktion. Was der- oder diejenige dann letztendlich damit macht, liegt nicht in unserer Macht. 
Aber sie wissen wir sind da und bleiben es auch. 
Kein Lachen, keine Beleidigung und keine Boshaftigkeit kann dazu führen, dass wir aufhören werden für die zu sprechen, die es selbst nicht können. 
Und was besonders wichtig ist, sind die unzähligen Menschen, die durch solche Aktionen schon etwas in ihrem Leben verändert haben. Denn fast alle, die wir heute an solchen Ständen stehen, waren auch mal vorbeilaufende Passant_innen. Fast alle von uns stammen aus nicht-veganen Familien und haben durch immer wiederkehrende Denkanstöße angefangen, etwas zu verändern. 
Deswegen ist es so wichtig, immer weiter zu kämpfen, sich nicht unterkriegen zu lassen und nicht jedes Lachen und Belächeln zu wichtig zu nehmen - wer weiß, ob der- oder diejenige nicht zuhause selber nochmal nachliest ... 

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